Eine vergrößerte Brust beim Mann ist häufiger, als viele annehmen. Sie kann ein- oder beidseitig auftreten und betrifft Männer jeden Alters. Für die Behandlung ist zunächst eine Unterscheidung entscheidend, denn sie bestimmt das gesamte Vorgehen: Besteht die Vergrößerung aus Fettgewebe oder aus Brustdrüsengewebe?
Gynäkomastie oder Pseudogynäkomastie
Bei der Pseudogynäkomastie (auch Lipomastie) liegt ausschließlich vermehrtes Fettgewebe vor. Drüsengewebe ist nicht vergrößert und muss daher auch nicht entfernt werden.
Bei der echten Gynäkomastie kommt zum Fettgewebe eine Vermehrung des Brustdrüsengewebes hinzu. Es liegt unmittelbar hinter dem Brustwarzenhof und lässt sich nicht absaugen, weil es fest ist. Es muss operativ entfernt werden.
Welche der beiden Formen vorliegt, ergibt die Untersuchung. Tasten allein reicht dafür nicht aus.
Abklärung vor der Operation
Vor einem Eingriff muss die Ursache geklärt sein. Dafür sind zwei Untersuchungen nötig:
- ein Hormonstatus durch die Endokrinologie
- ein Ultraschall des Hodens
Der Ultraschall dient dazu, bösartige Ursachen auszuschließen. Eine Gynäkomastie kann das erste Anzeichen einer Erkrankung sein, die zuerst behandelt gehört. Bringen Sie beide Befunde zum Beratungsgespräch mit.
Behandlung der Pseudogynäkomastie
Liegt nur Fettgewebe vor, genügt eine Fettabsaugung (Liposuktion). Dafür sind lediglich kleine Einstiche nötig, über die die Kanülen eingeführt werden.
Zunächst wird eine Tumeszenzlösung eingebracht. Sie verflüssigt das Fett und macht es absaugbar. Anschließend wird es über feine Absaugkanülen entfernt. Die Einstiche sind so klein, dass später kaum etwas davon zu sehen ist.
Behandlung der echten Gynäkomastie
Hier wird zuerst genauso abgesaugt wie oben beschrieben. Im gleichen Eingriff folgt dann die Entfernung des Drüsengewebes: Über einen halbmondförmigen Schnitt am unteren Rand des Brustwarzenhofs entsteht der Zugang zum Drüsenkörper, der anschließend entfernt wird.
Die Narbe verläuft am Übergang zwischen Warzenhof und Haut. Dort fällt sie kaum auf, weil sie an einer natürlichen Farbgrenze liegt.
Ablauf und Aufenthalt
Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Ein Aufenthalt von einer Nacht ist empfohlen; grundsätzlich ist der Eingriff auch ambulant möglich.
Drainagen sind in der Regel nicht nötig. Wenn doch, werden nur Minidrainagen eingelegt und am Entlassungstag wieder gezogen. Bei ambulantem Vorgehen wird eine Minidrainage am Folgetag in der Ordination entfernt.
Nach der Operation
Für sechs Wochen tragen Sie Tag und Nacht eine Kompressionsweste. Sie erfüllt zwei Aufgaben: Sie beugt einer Flüssigkeitsansammlung im Wundgebiet vor (einem Serom), und sie sorgt dafür, dass die Haut schneller mit der darunterliegenden Brustmuskulatur verklebt. So verkleinert sich der Hohlraum, der beim Absaugen entstanden ist.
Auf Sport und schwere körperliche Arbeit verzichten Sie, solange die Weste getragen wird.
Warum es keine Vorher-nachher-Bilder gibt
Sie finden auf dieser Seite keine Vorher-nachher-Fotos, und auch im Beratungsgespräch zeigt Dr. Özdemir keine. Ausgangsbefund, Gewebeanteil und Körperbau unterscheiden sich zu stark, als dass das Ergebnis eines anderen Patienten etwas über Ihres aussagen würde. Stattdessen erhalten Sie nach der Untersuchung eine ehrliche Einschätzung zu Ihrem eigenen Befund.
